
Einstimmig hatte der Bezirksbeirat Zuffenhausen auf Initiative der Grünen einen aktuellen Sachstand zur Bioabfall-Vergärungsanlage am Hummelgraben gefordert. Seit Jahren steht dort ein Baustellenschild, seit zehn Jahren wird der Bau der Anlage angekündigt – aber nichts ist passiert. Warum? In der April-Sitzung (21.4.2026) wurde nun berichtet:
Aktuell verzögert sich der Baubeginn aufgrund einer notwendigen Nutzungsänderung. Da die Anlage kleiner ausfällt als im ursprünglichen Bauantrag geplant, musste eine Anpassung beantragt werden. Dieser Antrag liegt seit Januar beim Regierungspräsidium vor; die Genehmigung wird in den nächsten Wochen erwartet. Auch die vor fünf Jahren kalkulierten Preise müssen angepasst werden; erste Firmenmeldungen dazu liegen bereits vor. Zudem gibt es eine neue gesetzliche Auflage: Für feste und flüssige Gärreste müssen nun Lagerstätten für mindestens neun Monate vorgehalten werden. Aufgrund der engen Verhältnisse am Standort ist noch unklar, ob diese Anforderung baulich vollumfänglich umgesetzt werden kann. Ein Standortwechsel steht laut Verwaltung derzeit trotzdem nicht zur Diskussion, da die bisherige Suche sehr langwierig war und eine Neusuche das Projekt nochmals massiv verzögern würde. Der Stadtbezirk Zuffenhausen wird also voraussichtlich mit den Belastungen leben müssen, die sich aus der Anlage ergeben – im Bauprozess und später in der Zulieferung der Bioabfälle aus ganz Stuttgart.
Umso mehr in interessierten sich die Bezirksbeirät*innen für die Frage, ob denn die Menschen im Stadtbezirk von der Anlage auch profitieren könnten? Da sieht es allerdings wenig hoffnungsvoll aus: Das gesamte erzeugte Gas soll an die Firma Porsche geliefert werden; die entsprechende Leitung wurde bereits durch die Stuttgarter Netze verlegt. Eine Einspeisung in das öffentliche Gasnetz war nie vorgesehen; es besteht daher auch kein entsprechender Anschluss. Auch die erforderliche Stromversorgung und die geplanten Blockheizkraftwerke sind so ausgelegt, dass sie ausschließlich den Strom- und Wärmebedarf der Anlage decken können. Es wird keine Überschussenergie produziert.
Die Grünen in Zuffenhausen sehen dies kritisch. Vor dem Hintergrund der globalen Krisen, des dringenden Bedarfs an lokaler Eigenversorgung sowie des kommunalen Wärmeplans halten die Grünen eine grundlegende Überprüfung des aktuellen Konzepts für wünschenswert. Ziel muss eine Anlage sein, die konsequent auf die lokale Eigenversorgung und die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger ausgerichtet ist, anstatt die erzeugte Energie exklusiv an die Industrie abzuleiten. Mit Zuffenhausen-Mitte und Stammheim-Süd sind im aktuellen kommunalen Wärmeplan zwei benachbarte Gebiete ausdrücklich ausgewiesen, deren Wärme- und Energiebedarf nur schwer mit erneuerbaren Energien abzudecken ist. Ein Projekt dieser Größenordnung sollte vorrangig der Stuttgarter Bevölkerung zugutekommen. Dies ist auch eine Frage der Gerechtigkeit: Die Anwohner im direkten Umfeld der Anlage tragen durch das erhöhte Verkehrsaufkommen die Hauptlast des Betriebs. Im Gegenzug sollte die Bevölkerung auch direkt von der erzeugten Energie profitieren können.
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