Der „grüne Tunnel“ ist nicht grün

Illustration: ARGE Nord-Ost

Seit ein paar Wochen geistert ein neuer Begriff durch die verkehrspolitische Diskussion: Ein „grüner Tunnel“ könnte gebaut werden. Für das Projekt machen sich mehr als zwanzig örtliche Unternehmen stark, darunter so namhafte wie Trumpf, Stihl, Mahle und Mercedes-Benz. Auf einer Website der Befürwortenden wird für das Projekt geworben: Ein mehr als zehn Kilometer langer, vierspuriger Tunnel soll entstehen. Versprochen wird, die Stuttgarter Stadtbezirke Zuffenhausen und Bad Cannstatt würden durch eine „Tangentialverbindung“ zwischen Fellbach und Kornwestheim von Durchgangsverkehr entlastet. Dabei wird ausgesprochen „grün“ argumentiert: Es entstünden neue Grünflächen bei Kornwestheim und Fellbach, und durch die unterirdische Bauweise würde die wertvolle Natur über dem Tunnel nicht geschädigt.

Die Idee einer solchen Nordost-Verbindung um Stuttgart ist nicht neu. Seit Jahrzehnten wird darüber diskutiert, und seit Jahren argumentiert die ARGE Nord-Ost, eine Bürger*inneninitiative dagegen. B90/Grüne in Zuffenhausen haben dieses Engagement immer unterstützt. Auch der jetzt vorgeschlagenen Tunnellösung stehen die Grünen äußerst skeptisch gegenüber. Es gibt viele ökologische Argumente gegen einen solchen Bau, insbesondere die damit verbundene CO2 -Belastung und die enorme Schädigung des Bodens mit seiner außergewöhnlichen und vielfältigen Biodiversität. Das gilt auch bei einem Tunnelbau, da dieser in großen Teilen (bei Kornwestheim und zwischen Oeffingen und Fellbach auf dem „Schmidener Feld“) in offener Bauweise erfolgen würde. Der wertvolle Boden müsste also zunächst abgetragen werden.

Die Grünen in Zuffenhausen werden sich dafür einsetzen, die Menschen im Stadtbezirk vor noch mehr Verkehr zu schützen. Zuffenhausen ist bereits jetzt hochbelastet durch Abgase und Lärm (siehe z.B. Lärmaktionsplan der Stadt Stuttgart). Eine neue vierspurige, autobahnähnliche Verbindung, die nach Aussagen der Projetbefürworter mindestens 1,6 Milliarden Euro kosten würde, wird nach aller Erfahrung nicht weniger, sondern mehr Verkehr in und durch den Stadtbezirk lenken – nach dem Prinzip: Wer Kapazitäten schafft, wird Verkehr ernten. Aus grüner Sicht wäre daher das Geld besser angelegt in leistungsfähigerem Öffentlichem Nahverkehr, in diesem Fall vor allem dem Ausbau der S-Bahn, um schnell , verlässlich und bequem aus dem Norden in den Osten der Metropolregion (und wieder zurück) zu kommen.

Für die Grünen in Zuffenhausen ist daher der „grüne Tunnel“ keine grüne Idee. Die Diskussion um das Projekt werden die Grünen genau verfolgen – und auch die Auswirkungen auf die Verkehrsbelastung im Stadtbezirk zum Thema im Bezirksbeirat machen.

Mehr Informationen über ein gutes Miteinander im Verkehr in Zuffenhausen finden sich hier.

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