Kita Hohenloher Straße öffnet wieder – aber es bleiben Fragen

Bei Bodenuntersuchungen zwischen 2014 und 2018 wurden im farbig markierten Gebiet rund um die Keltersiedlung gesundheitsgefährdende Stoffe im tieferen Boden festgestellt …
… aber nur im Bereich der späteren Keltersiedlung wurde eine tiefe Bodensanierung (bis acht Meter) durchgeführt. Nördlich der Schöntaler Straße steht die Kita Hohenloher Straße.

Diese Geschichte beginnt vor mehr als hundert Jahren: Dort, wo heute die im letzten Jahr offiziell eröffnete Zuffenhäuser Keltersiedlung steht, brannte im Jahr 1912 eine Teerfabrik. Dabei sickerten hochgiftige Schadstoffe in den Boden, auf deren chemische Aufzählung hier verzichtet wird – denn ihre Gefährlichkeit für Menschen, die in Kontakt mit ihnen kommen, ist unbestritten. Wer Näheres dazu wissen möchte, findet die Aufzählung zum Beispiel in einem offiziellen Dokument aus dem Stuttgarter Gemeinderat.

Entdeckt wurde das ganze Ausmaß die Schadstoffbelastung im Boden in den Jahren 2014 bis 2018.  Anlass war der geplante Abriss und Neubau der Keltersiedlung. Dabei – und auch das ist unbestritten – wurde festgestellt, dass sich die Ausdehnung gefährlicher Substanzen im Boden nicht nur auf das Baugebiet erstreckt, sondern auch auf das daneben liegende Gelände der Kindertagesstätte an der Hohenloher Straße 34. Der Vergleich zweier amtlicher Karten, die in diesem Zusammenhang im Jahr 2020 auch Gegenstand von Beratungen im Bezirksbeirat waren, macht das mehr als deutlich.

Erstaunlich ist nun, wie unterschiedlich mit den Gefahren aus dem Boden umgegangen wurde. Im Zuge des Neubaus der Keltersiedlung wurde das mit Schadstoffen belastete Erdreich bis zu acht Metern Tiefe ausgehoben und abtransportiert. Als Schutz wurde ein Großzelt über der Baustelle errichtet, damit keine Ausdünstungen der giftigen Stoffe in die Umgebung erfolgen kann.

Vergleichbare Vorsichtsmaßnahmen waren auf dem angrenzenden Gelände der Kita allerdings nicht für erforderlich gehalten worden, denn dort wurde ja keine Tiefgarage errichtet. Es gab also aus Sicht der Stadt keinen Anlass, die tiefen Bodenschichten komplett auszutauschen. B90/Grüne im Bezirksbeirat Zuffenhausen haben das bereits im April 2024 zum Gegenstand eines Antrags gemacht. Die Antworten dazu blieben weitgehend aus, und so kam es erst nach einem erneuten Antrag vom März 2026 nun in der Juli-Sitzung des Zuffenhausener Bezirksbeirates zu dem erhofften Bericht.

Erfreulich daran ist, dass nach Aussagen der städtischen Ämter für die Zukunft eine Gefährdung der Kinder, die im Freigelände der Kita spielen, ausgeschlossen werden kann. Das Erdreich wurde an der Oberfläche abgetragen, in etwa 80 cm Tiefe wurde eine Sperrschicht aus Beton eingebaut, die sicherstellen soll, dass niemand versehentlich in die belastete Bodentiefe vordringen kann.

Die Transparenz über den gesamten Vorgang lässt aber die Bezirksbeirät*innen von B90/Grüne noch immer mit vielen Zweifeln zurück: Warum wurden auch in der Sitzung im Juli keine konkreten Messwerte berichtet? Warum sah die Stadtverwaltung keinen Anlass, die Kinder und Fachkräfte, die in der Vergangenheit in der Kita betreut worden waren bzw. gearbeitet haben, auf mögliche gesundheitliche Belastungen zu testen? War die Unfallkasse Baden-Württemberg darüber informiert, dass das Gelände im tieferen Untergrund belastet ist und wie bewertet sie vor diesem Hintergrund die erfolgten Sanierungsmaßnahmen?

Wann die frisch sanierte Kindertagesstätte an der Hohenloher Straße 34 zusammen mit dem neu gestalteten Außenbereich wieder in Betrieb genommen wird, steht noch nicht fest.

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